Darkride
Workshop mit dem Künstler Claus Richter und Prof. Anja Dorn
Mit einfachen Mitteln (vorgefundene Objekte, Beleuchtung, Motoren, Sound, Schauspieler) entsteht eine Geisterbahn mit dem Thema Schönheitsklinik. Der Besucher, der in einem Rollstuhl durch die Szenerie gefahren wird, ist dem Geschehen als Patient ausgeliefert.
Dachboden der HfG Karlsruhe, Januar 2014

Darkrides charakterisiert ein dunkles Labyrinth aus Dioramen, mechanischen und lebendigen Figuren. Die Wegleitung und Inszenierung von Blickachsen sind ein wesentlicher Bestandteil der narrativen Dynamik, die sich die Mittel des Films und des Kulissenbaus zu nutze macht: Der Blick des Betrachters wird gezielt gelenkt, Szenarien tauchen auf, verschwinden ebenso schnell und entwickeln eine traumgleiche, immersive Narration.

In einem Empfangsraum muss der Patient sich zunächst mit seinem Behandlungswunsch in eine Warteliste eintragen, ehe er mit dem Lift in eine andere Realität befördert wird. Im oberen Stockwerk angekommen, bahnt sich bereits in der Wellness-Oase bei einer intensiven Kopfmassage das Unbehagen an, als ein beruhigender Ozeantrailer plötzlich einen gestrandeten, platzenden Wal zeigt.
Ein Ruck geht durch den Rollstuhl und schon wird der Patient durch ein Labor geschoben, in dem ein augenscheinlich verwirrter Professor sitzt, weiter geht es direkt in das grelle Licht des OP-Saals: schlagartig in der Horizontalen, muss der Patient befürchten, dass alles schief geht; die Narkose setzt zu spät ein und höhnisch kichern riesige Mickey Mouse Köpfe in einem schummrigen Zimmer. Unverhofft gleiten nasse Handschuhe durch das Gesicht und mit Schrecken stellt der Patient fest, dass er versehentlich in das Hinterzimmer befördert wurde in dem überall Müllsäcke voll zersägter Extremitäten herumstehen, untermalt von einem fürchterlichen Lärm aus Kreischen und Kratzen. Ein gellender Schrei durchzuckt alle Glieder – dann ist nur nur noch die Rückenlehne eines Sessels zu sehen, auf dem jemand sitzt… aber sein Kopf dreht und dreht und dreht sich um sich selbst?!
Schon wird der Patient hinausgeschubst aus dem Rollstuhl, fasst sich ängstlich an die Nase, wird vom Liftboy schweigend der Tür zum Treppenhaus verwiesen und ist – zum Glück – wieder in der HfG.

Wintersemester 2013/2014,  Szenografie, HfG Karlsruhe
Dokumentation in Zusammenarbeit mit Alexandra Besta und Carlo Siegfried